[ Nicht dokumentenecht!]


[Gelesen]  [2007.03.24, 21:02] 
Ein Wort zum Berlin-Titel des letzten Spiegels
Schwachsinn.
 
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[Gelesen]  [2007.03.24, 20:32] 
Fadenbindung
Wolfgang Herrndorf (2007): Diesseits des Van-Allen-Gürtels. Frankfurt/M: Eichborn.

Eine Erkältung zweiten Grades (Matschigfühlen und Triefnase, aber kein Halsweh und fieberfrei) nivellierte meinen sonstigen Produktivitätspegel empfindlich herunter. Praktisch, dass der Postbote ein Buch brachte, das die Titanic als Belohnung für Geschenkabonnements vergibt.

Das 185-seitige Buch habe ich in einem Fluss (unterbrochen nur von Naseputzpausen) innerhalb weniger Stunden durchgelesen. Es ist eines der Bücher, bei denen ich neidgrün werde, mich fragend, woher der Verfasser nur diese Ideen nimmt.

Es ist kein klassischer Roman; das Inhaltsverzeichnis weist 6 Einträge aus, Kapitel ist nicht das richtige Wort, Kurzgeschichten auch nicht; denn all diese Texte beginnen irgendwo und enden irgendwo. "Eine gute Geschichte muß einen Anfang haben, eine Mitte und ein Ende, und zwar genau in dieser Reihenfolge, hat Chabrol einmal gesagt." Diesen Satz legt Herrndorf dem Protagonisten und Ich-Erzähler einer Geschichte in den Mund, ohne sich jedoch selbst daran zu halten. Zum Glück, denn der Leser hat so die Freiheit, den Anfang des Fadens, den Herrndorf gesponnen hat, aufzunehmen und weiter zu knüpfen.

Meist ist es noch nicht einmal ein Anfang, sondern irgend ein Stück aus der Mitte, und mit fortschreitender Lektüre stellt der Leser fest, dass andere Fäden kreuzen, kurz parallel laufen und dann doch wieder eine andere Richtung einschlagen. Ein Ganzes entsteht daraus nicht, aber gerade dieses Amorphe, Vage, Scheinhafte ist einer der Punkte, in denen sich das Buch von den Werken anderer aktuell gehypter Literaten - vom selben Ich-Erzähler, der Chabrol zitierte, arg durch den Kakao gezogen -, vielleicht unterscheidet.

Die Handlungen kreisen um die Erlebnisse einer Gruppe von Personen, die auf denkbar loseste Weise miteinander verbandelt sind (s.o.), wobei diese Verbindungen so zufällig zustande kommen wie die Sieben-Ecken-Beziehungen bei Xing aka OpenBC. Es geht um einen Kunststudenten, der zuerst in Nürnberg und später in Italien strandet; die zweite Hauptfigur, ein durchgeknallter Spanier, begegnet dem Leser später ebenso noch einmal wie ein abgelehnter Studienplatzbewerber; dessen Schwester wiederum tritt zum Ende hin in einer brillanten Studie über typische Geburtstagsfeiern der Über-30-Jährigen auf, bevor sie selbst an einem merkwürdigen Treffen teilnimmt, dessen Beschreibung allerdings der schwächste Bestandteil des Buches ist.

Die ersten fünf Texte sind trotz ihres zum Teil surrealen Settings so glaubwürdig und schlüssig geschrieben, dass es schwer fällt, den Autor nicht mit dem Erzähler gleichzusetzen. Lakonisch werden jeweils Ausschnitte aus dem Leben der Personen schlaglichtartig beleuchtet, bevor das grelle Licht erlischt und der Leser einerseits ratlos ist, bleibt ihm doch ein ums andere Mal die "Auflösung" verwehrt, andererseits kaum abwarten kann, weiterzulesen. Wie Kartoffelchips frisst man das Buch in sich hinein, ohne zu merken, wie viel man schon zu sich genommen hat und ohne aufhören zu können, dem Mehr-Mehr-Mehr-Wollen hilflos ausgeliefert. Man identifiziert sich mit den Handelnden, erkennt sich oder andere darin wieder, nimmt an der Handlung teil und ist dann doch wieder froh, nicht selbst solchen Verstrickungen ausgesetzt zu sein.

Mein glühendes Lob gilt allerdings nur den ersten fünf Texten. Der letzte Teil ist ein peinliches Namedropping, bei dem die (fiktive?) Gründungsveranstaltung einer Zentralen Intelligenz Agentur aus der Sicht der (fiktiven?) HTML-Coderin Heidi beschrieben wird. Ich kann nicht einschätzen, ob die Gründung der Zentralen Intelligenz Agentur (Link) wirklich so einherging wie beschrieben; selbst wenn dem so war, so strotzt doch dieses Kapitel nur so von Insiderwitzen, peinlichen persönlichen Angriffen und vollkommen überzeichneten, platten und karikaturhaften Beschreibungen. Dieser Teil hätte besser jenseits des Van-Allen-Gürtels bleiben sollen.
 
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[Gelesen]  [2006.04.23, 19:08] 
Illies hat recht
Es stimmt, was mein berühmter Vornamensvetter in seinem Buch "Generation Golf zwei" schreibt. Alles, alles, alles. Ich kann das beurteilen, auch wenn ich Twingo fahre.

Ob auch alles stimmt, was Heinz Strunk in "Fleisch ist mein Gemüse" schreibt, kann ich zwar nicht beurteilen, halte es aber für glaubwürdig. Lesenswert allemal.
 
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Letzte Aktualisierung 2008.03.23, 17:08
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von instantflorian @ 2008.01.31, 21:33
Neulich auf dem Strausberger Platz
Juni 1953. Die DDR ist keine vier Jahre alt. Die Bevölkerung kämpft erbittert gegen Normenerhöhung und für freie Wahlen. Der Strausberger Platz ist ein Kumulationspunkt der Aufstände. Dezember 2007. Der Euro ist etwa vier Jahre alt. Die Einzelhändler kämpfen erbittert gegen Sparwahn und für fröhliches Geldausgeben. Der Strausberger Platz ist ein ...
von instantflorian @ 2007.12.18, 09:05
Mit dem Linienbus zu Freunden
und zu über 350 Zielen in Europa, wirbt Berlilinlinlinienbus... und man kann auf www.berlinlinienbus.de auch gleich buchen. Aber ob dieses Fahrtziel oft gebucht wird?
von instantflorian @ 2007.11.28, 20:27
Kühe melken statt Premiumshopping
Nicht weit entfernt von den Glitzermeilen rund um den Alexanderplatz liegt eine Insel der Provinzialität. Die Hautevollee pilgert zum Kaufhof, die Massen strömen ins Alexa, Technikbegeisterte wühlen bei Saturn nach Schnäppchen; doch der ganz normale Durchschnittsberliner, mit Wohnungsbaugesellschaftmittemietvertrag und Bruttoeinkommen unter 1500 Euro, hält sich fern von diesen Verlockungen des ...
von instantflorian @ 2007.11.26, 20:52
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