[ Nicht dokumentenecht!]


[Kunst ist kein Spass]  [2007.04.16, 08:25] 
Schwieriges Thema, schwieriges Gelände
"Kunst ist kein Spaß" lautet das Motto der 13. 24-Stunden-Ausstellung, und deshalb warten beim diesjährigen Ausstellungsgelände, dem ehemaligen IAL-Werk in der Merseburger Straße in Leipzig, auch große Herausforderungen auf die Mitmachenden...

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[Kunst ist kein Spass]  [2006.10.17, 20:39] 
Querformat B ist nicht zu helfen
Querformat B ist ein in den goldenen westberliner Achtzigerjahren gegründeter Verein, der jährlich eine juryfreie Kunst- und Verkaufsausstellung namens „Querschnitt ##“ (ersetze ## durch die Jahre, die seit der ersten Ausstellung vergangen sind, aktuell 19) veranstaltet.
Trotz eher zurückhaltender Öffentlichkeitsarbeit sehen sich die ehrenamtlichen Organisatoren Jahr für Jahr mit einer Flut von über 500 Exponaten konfrontiert, die dann für vier Wochen im Künstlerhaus Bethanien Dienstags bis Sonntags von 12 bis 19 Uhr ihr Dasein gezeigt werden.

Um besagte Kunstwerke an Wände und auf Podeste applizieren zu können und die von erschütternder Trübsinnigkeit geprägten Räume des ehemaligen Witwen- Waisen- oder Krankenhauses im allertiefsten und dreckigsten Kreuzberger Kiez vorzubereiten, bedarf es natürlich einem gerüttelt Maß an Vorbereitung. Was dann so aussieht, dass jeder Aussteller, der sich nicht nur zur Selbstdarstellung, sondern auch zur Mithilfe berufen fühlt und dies entsprechend auf dem Anmeldeformular vermerkt hat, zu einem Vorbereitungstreffen in einem der trübsinnigen Räume des gruseligen Bethaniens eingeladen wird. Heute war es so weit; und unter Vortäuschung, selbst irgend etwas dort aufhängen zu wollen, konnte ich dort populärsoziologische Fallstudien betreiben.

Ehemals von den Fördertöpfen der Frontstadt Westberlin profitierend, nehmen die Organisatoren, vier an der Zahl, inzwischen aus schon ins Masochistische lappenden Idealismus ehrenamtlich die stressige Aufgabe auf sich, den Sack voll Flöhe, die sich da Künstler nennen, zu bändigen und deren Exponate zu sichten, zu sortieren und zu präsentieren. Als (vermutlich) Nebenerwerbskurator fällt der Spagat zwischen Idealismus und Pragmatismus sicherlich nicht eben leicht, zumal wenn man es mit einer solch auserlesenen Künstlerschar zu tun hat.

Selbige, die Künstlerschar, scheint - sofern das Helfertreffen repräsentativ ist, sozusagen einen Querschnitt durch den Querschnitt bildet - äußerst inhomogen. Per se nichts Schlimmes; unangenehm wird es halt erst, wenn das Spektrum dann vom blutjungen Kunststudiumserstsemester, das voll vollversammlungsmäßig während des Helfertreffens eine Klappstulle mampft, bis zum verhaltensauffälligen Alt-Hippie reicht und angereichert wird durch arrogante, nahezu unverständliches Kauderwelsch redende Österreicher, die sich offenbar für etwas Besseres halten; harthörige ältere Damen, die vermutlich Makramee oder Serviettenkunst betreiben; oder unkonzentrierte Tüffelköppe, die drei Mal nach den Aufbauterminen fragen; und seine Abrundung durch die übliche Mischpoke der linken Unterschicht sowie einen schlecht gelaunten Universaldilettanten, der sich von Anfang an fehl am Platze fühlte, erfährt.

Die Athmosphäre hatte etwas von Soziologie-Grundstudiums-Tutorium an der FU Berlin Ende der Siebzigerjahre (jedenfalls stelle ich mir das so vor). Die ganze Zeit tropften Spätankömmlinge herein, es gab nicht genug Stühle, und mindestens einmal versuchte ein Typ mit Hut, die Veranstaltung zur Klärung von Grundsatzfragen anzuhauen. Zunächst ging eine Anwesenheitsliste herum (okay, beim Tutorium wäre die natürlich verschollen), und dann rief die Dame aus dem Organisationskomitee, die die Rolle der Moderatorin übernommen hatte, die zu erledigenden Jobs auf, verkündete so oft, wie es verlangt wurde - und es wurde oft verlangt -, wann noch einmal welche Arbeitsgruppe sich wo trifft. Zugehörige Zettel, auf denen man sich für die ehrenvolle Aufgaben eintrug, machten die Runde, und natürlich hatte meine Sitznachbarin keinen eigenen Stift dabei.

Allerdings wurde nicht für die Befreiung Nicaraguas gesammelt, sondern für die Anschaffung eines DVD-Players, auch fühlte sich das Plenum wider Erwarten nicht bemüßigt, die folgende Äußerung, die ein sonderbarer Wagenburgbewohner ausstieß, bevor er laut schimpfend das Gebäude verließ, weiter zu kommentieren:
„Harry, Du bist und bleibst ein. [Pause] Arschloch! Der Typ von der Berliner Tafel kommt in den RAW-Tempel und geht mit drei Tüten voll Fleischschsch, während hier unsere Kinder verhungern!“
Dazu muss gesagt werden, dass der so Gescholtene die DVD-Player-Kollekte initiiert hatte, sich bereit erklärt hatte, einen Diaprojektor zu stellen und ansonsten wohl eher wenig mit der Berliner Tafel zu tun hatte.

Nach dem offiziellen Ende scharten sich die Einsamen und die Aufmerksamkeitsjunkies ums Komitee, um noch wichtige Dinge zu besprechen. Zu den weniger wichtigeren Dingen, wie mir Organisatorin Maike dabei unmissverständlich klarmachte (Danke, Maike!), gehörte dabei offenbar das von mir generöserweise offenbarte Angebot, eine veranstaltungs- und/oder vereinsbegleitende Website zu erstellen.

Meine weiß Gott nicht aus der Luft gegriffene und nur an der Oberfläche der Konzeption kratzende, ach was: dort hinüberschwebende Frage, wo man mit der Website hinwolle, ob es nur um den Verein, die Ausstellung komplett oder einen Teil davon gehen sollte, wurde mir von der Fachfrau wie folgt beschieden:
„Ach weißt Du, wir haben im Moment Wichtigeres zu tun.“
Eben nett war das ja nun nicht gerade. Man wird sehen, ob diese rüde Aussage dem Stress oder tatsächlichem Desinteresse geschuldet war. Wenn es doch noch eine Q19-Website gibt, war es wohl nur etwas Überrumpelung, und wenn nicht: nun ja. Wer nicht will, der hat halt schon.
 
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Letzte Aktualisierung 2008.03.23, 17:08
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von instantflorian @ 2007.11.26, 20:52
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